Teil 2: ‚Mindsphere‘ von Siemens

Auf der Ligna trifft sich im Rhythmus von zwei Jahren die internationale Holzindustrie. Weil die Digitalsierung auch vor dieser Branche nicht Halt macht, haben wir uns auf die Suche nach vernetzten Lösungen begeben. In Teil 2 besuchen wir Siemens in Erlangen.

Einst wegen steigendem Platzbedarf aus der Hannover Messe herausgelöst, hat sich die Ligna nach eigenen Angaben als Weltleitmesse der Holzindustrie etabliert. Hier dreht sich alles um den nachwachsenden Rohstoff, und zwar von der Ernte bis zur Fertigung. So beschaulich wie in einer kleinen Schreinerei geht es auf industrieller Ebene leider nicht zu. Hier kommt großes Spezialgerät wie Plattenaufteilsägen, CNC-Bearbeitungsportale oder Kantenanleimmaschinen zum Einsatz. Anstelle klassischer Handarbeit läuft hier eine automatisierte Fertigung.

Drei Unternehmen – drei Lösungen

Um die Prozesse transparenter und effizienter zu gestalten, hält auch in dieser Branche Digitalisierung Einzug. Von den unterschiedlichen Lösungen für die Holzindustrie, wie sie auf der Ligna zu sehen sein werden, wollen wir hier drei etwas näher betrachten.

 

Station 2: Bei Siemens vor Ort

Anderes Land, anderer Ort, anderes Unternehmen und dennoch das gleiche Ziel: Produkte, Anlagen, Systeme und Maschinen miteinander verbinden, um letztlich aus der Vielzahl vorhandener Daten neue Erkenntnisse für mehr Effizienz, Service und Produktivität zu gewinnen. Wir fahren nach Erlangen zu Siemens, um mehr über deren Lösung Mindsphere zu erfahren. Sie soll es Anwendern ermöglichen, das immense Datenvolumen aus der IoT-Landschaft zu analysieren und für eigene produktive Geschäftsprozesse der Industrie 4.0 nutzen zu können. Das 2016 etablierte cloudbasierte Betriebssystem verfügt über offene Standards sowie Schnittstellen und wurde als Platform as a Service (PaaS) konzipiert.

Branchenübergreifend konzipiert

„Die Mindsphere World hat das gemeinsame Ziel, einen Standard im Bereich IoT im jeweiligen Segment zu realisieren.“ Daniel Liebl, Marketing Manager Digitalisierung im Maschinenbau, Siemens.

Der Grundgedanke, welcher sich hinter Mindsphere verbirgt, ist einfach: Nahezu alle Geräte generieren Daten. Werden diese Geräte an Mindsphere angeschlossen, können die Daten analysiert werden oder aber in Beziehung zu anderen erhobenen Informationen gesetzt werden, um daraus wiederum neue Schlussfolgerungen oder Handlungsempfehlungen abzuleiten. Mindsphere verbindet also die reale mit der digitalen Welt. Dabei ist die Plattform branchenübergreifend konzipiert und bietet unterschiedlichen autorisierten Akteuren – etwa Maschinenbauer, Serviceanbieter, App-Entwickler und Endanwender – unter Beachtung höchster Cyber- Security- Standards geregelten Zugriff auf die zu verwaltenden Daten. So können etwa Maschinenhersteller und Anlagenbauer mithilfe von Mindsphere u.a. für Servicezwecke sämtliche Maschinenparks auf der ganzen Welt überwachen und folglich Stillstandzeiten reduzieren. Daraus ergeben sich auch komplett neue Geschäftsmodelle.

„Einer der Weltmarktführer im Bereich Massivholzverarbeitung, die Michael Weinig AG, nutzt Mindsphere zum Beispiel, um ihren Kunden auf diese Weise einen Mehrwert im Bereich Service zu bieten. Zum einen können die Kunden die Serviceintervalle optimal in ihr Tagesgeschäft einplanen und zum anderen ist aber auch die Weinig AG bestens für einen Servicefall vorbereitet, denn alle Daten über den Maschinenzustand sind in der Mindsphere einsehbar“, erklärt uns Daniel Liebl, Marketing Manager Digitalisierung im Maschinenbau bei Siemens. Maschinenbauer haben dank der Plattform also einen Vorteil in Hinblick auf die erhöhte Verfügbarkeit und Produktivität, während Dienstleister Mehrwerte oder neue digitale Geschäftsmodelle generieren und Anlagenbetreiber sowie produzierende Unternehmen von einer höheren Transparenz und Effizienz ihrer Produktion profitieren.

„MindSphere bietet eine breite Palette von Optionen, um die Konnektivität zwischen der Cloud und den verschiedenen Produktionsmaschinen sicherzustellen. Überdies hinaus stellt die Plattform eine Entwicklungsumgebung und Analysemöglichkeiten bereit.“ Dr. Thomas Menzel, Leiter Digitalisierung und Innovation von Produktionsmaschinen, Siemens.

Mindsphere verbindet

Mindsphere bildet als Entwicklungsumgebung die Grundlage für eine breite Palette an Möglichkeiten. Durch die nahtlose Integration von Betriebsdaten entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglicht eine Nutzung der digitalen Zwillinge von Produkt, über Produktion bis zur Performance entsprechende Simulationen mittels dieser Daten. Anpassungen können somit vorab getestet werden – bevor diese reale Anwendung finden – um eine Optimierung des gesamten Kreislaufs zu gewährleisten. Dies trägt nicht nur zur Steigerung der operativen Effizienz bei, sondern ermöglicht auch den Vergleich von Simulations- und Testergebnissen mit realen Beobachtungen. Dem aber nicht genug: Dank der offenen APIs und der Interoperabilität mit anderen Systemen können Mindsphere- Nutzer ihre entwickelten Lösungen bei Bedarf der gesamten Community bereitstellen und anbieten.

Gemeinsam Neues generieren

Neben der Community gibt es seit Januar 2018 die Nutzervereinigung Mindsphere World, deren Mitglieder sich untereinander zu ihren Anwendungsfällen auf Mindsphere austauschen. Aktuell haben sich mehr als 50 Mitgliedsunternehmen (Stand: Februar 2019) in der Mindsphere World Deutschland zusammengefunden. Die Mitgliederliste liest sich wie das „Who-is-who“ des deutschen Mittelstandes. In Italien sind es 18 Partnerunternehmen und mit 15 Gründungsmitgliedern hat jüngst auch die Region ASEANPacific ihre erste Nutzerorganisation für das IoT-Betriebssystem bekommen. Weitere Vereinsgründungen in Asien und den USA sollen folgen. Schlussendlich zielt Mindsphere darauf ab, die Transformation von Daten in reale Geschäftsergebnisse zu ermöglichen und dabei alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette gleichermaßen zu unterstützen.

 

Videoreportage

Selbstverständlich haben wir auch bei Siemens eine kleine Videoreportage gedreht. Darin erklären Daniel Liebl und Dr. Thomas Menzel die Highlights von Mindsphere. Schauen Sie gleich mal rein:

 

 

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Quelle: SUMMER of ENGINEERING

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